virtuelle Assistentin

Es war genau am 14.9.14 als mich der Firmengründer einer deutschen OnlinePlattform nach meinen Zugangsdaten fragte – damit mich die IT für den Support freischalten könne.

Ich war bereits ein Jahr zuvor in die Community eingestiegen und hatte mir ein kleines und feines Team aufgebaut. Da es eine Sommerpause gab – und ich keine Antworten auf meine Fragen bekam war ich so lästig, dass er meinte – wenn du es besser kannst – beweise es.

Nein, hat er so nicht gesagt – aber passte irgendwie trotzdem auch 😉

Und er meinte – er schätze mich so ein, dass ich bis Weihnachten ein funktionierendes System aufbauen könnte, damit der Support dann endlich reibungslos laufen würde.

Eine Woche später trafen wir uns bei einem realen Meeting – und er umarmte mich und meinte – du hast in diesen paar Tagen das geschafft, was ich bis Weihnachten erhofft hatte.

Im Laufe der nächsten 3 Jahre entwickelte sich daraus nicht nur eine Freundschaft, sondern ich wurde zu seiner rechten Hand – zu seiner virtuellen Assistentin, die viele Aufgaben übernahm, welche eigentlich nicht so geplant waren.

Ich war das Bindeglied zur IT – weil ich konnte die Fragen so formulieren, dass sie nicht gleich meinten, unsere Mitglieder seien nur zu blöd, irgendwas zu machen, sondern fallweise dann auch wirklich mal nachschauten, wo bei ihnen der Fehler lag.

Das kam zwar selten vor – weil es waren Primadonnen, die mit Samthandschuhen angefasst und wie Götter behandelt werden wollten – und die mich dann mit Nichtantworten straften, wenn ich einfach ganz normale Fragen stellte, anstatt ein Bittgesuch zu stellen.

Ich musste mir daher selbst viel erarbeiten – oder auch Umwege finden, wie ich Dinge schaffte, die der CEO zugesagt hatte – die IT aber nicht bereit war, um zu setzen – so habe ich manche Wochenenden damit verbrachte, Sachen händisch ein zu spielen, was für die IT ein Aufwand von ein paar Minuten gewesen wäre, es zu programmieren.

Bald schon übernahm ich die kompletten Newsletter – nicht nur die Versendung – meist schrieb ich sie einfach und legte sie nur mehr zur Genehmigung vor.

Als die automatischen Sepa-Überweisungen nicht so funktionierten, wie sie sollten – übernahm ich auch das – ließ die Zahlungen über mein Konto laufen, weil es einfacher war, als ständig irgendwie Geld hin und her zu überweisen.

Ich hatte Zugriff auf PayPal und natürlich auf mein Konto – ich führte alle Überweisungen händisch durch – ich erstellte Listen über die Aktienbeteiligungen – versandte die Stamm- und Vorzugsaktien letztendlich auch – machte ständig irgendwelche Statistiken – und bereitete die Unterlagen für die Buchhaltung vor.

Später kamen dann noch Werbemittel für unsere Mitglieder hinzu – und vieles andere mehr. Ich war in alle Entscheidungen mit einbezogen – bis zu dem Zeitpunkt, wo der CEO dann im Herbst 2017 eine halbe Stunde vor einem geplanten Webinar die komplette und abgesprochene Planung über den Haufen warf.

Das war der Moment, an dem ich aussteigen wollte – und – rückblickend betrachtet – dies auch hätte tun sollen – aber ich ließ mich noch einmal überreden, weiter zu machen – allerdings dann nur mehr bis Ende des Jahres.

Mitte Jänner 2018 kündigte ich meinen endgültigen Rücktritt an – versprach dann aber, noch still zu halten, bis der Insolvenzantrag abgegeben war.

Es war eine schöne Zeit – eine erfüllte Zeit – eine herausfordernde Zeit – ich habe viel gelernt – ich habe mir viel Wissen selbst erarbeitet – und ich werde viel davon in meinem aktuellen Business anwenden können.

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